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Forex-Handel: Grundlagen, Strategien und Risiken

Zuletzt aktualisiert: Februar 2026 · Lesezeit: 14 Min.

Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist Forex?
  2. Wie funktioniert der Forex-Markt?
  3. Grundbegriffe im Forex-Handel
  4. Forex-Handelszeiten
  5. Analyse-Methoden
  6. Forex-Strategien für Einsteiger
  7. Risiken im Forex-Handel
  8. Regulierung des Forex-Handels in der EU
  9. Tipps für Anfänger
  10. Fazit

Was ist Forex?

Forex (Foreign Exchange) bezeichnet den globalen Devisenmarkt, auf dem Währungen gehandelt werden. Mit einem täglichen Handelsvolumen von rund 6,6 Billionen US-Dollar (Stand: BIS Triennial Survey) ist der Forex-Markt der größte und liquideste Finanzmarkt der Welt. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Tagesumsatz der New Yorker Börse liegt bei etwa 50 Milliarden US-Dollar. Der Devisenhandel übertrifft damit Aktien- und Rohstoffmärkte um ein Vielfaches.

Der Devisenmarkt ist dezentral organisiert und funktioniert als OTC-Markt (Over-the-Counter). Es gibt keine zentrale Börse wie bei Aktien. Stattdessen handeln Banken, Zentralbanken, institutionelle Anleger, Hedgefonds und private Trader über ein globales Netzwerk aus elektronischen Handelsplattformen miteinander. Die Geschäfte laufen rund um die Uhr an fünf Tagen pro Woche. Der Markt dient Unternehmen zur Absicherung von Währungsrisiken bei internationalen Geschäften, Zentralbanken zur Geldpolitik und Spekulanten zur Gewinnerzielung aus Kursbewegungen.

Private Anleger greifen über Online-Broker auf den Forex-Markt zu. Diese Broker stellen Handelsplattformen bereit und ermöglichen den Zugang zu Währungspaaren mit Hebelwirkung. Der Großteil des Handelsvolumens entfällt auf den Interbankenhandel zwischen großen Finanzinstituten; der Anteil privater Trader ist deutlich geringer, wächst aber stetig. Für Privatanleger ist der Forex-Markt attraktiv wegen der hohen Liquidität, der Möglichkeit, in beide Richtungen zu handeln, und der rund um die Uhr verfügbaren Handelszeiten.

Wie funktioniert der Forex-Markt?

Beim Forex-Handel werden immer Währungspaare gehandelt. Sie kaufen oder verkaufen eine Währung gegen eine andere. Die bekanntesten Paare sind EUR/USD (Euro gegen US-Dollar), GBP/USD (britisches Pfund gegen US-Dollar) und USD/JPY (US-Dollar gegen japanischen Yen).

Basis- und Kurswährung

Jedes Währungspaar besteht aus einer Basiswährung (erste Währung) und einer Kurswährung (zweite Währung). Bei EUR/USD ist der Euro die Basiswährung, der US-Dollar die Kurswährung. Ein Kurs von 1,0850 bedeutet: Ein Euro entspricht 1,0850 US-Dollar.

Majors, Minors und Exotics

Majors sind die meistgehandelten Paare und enthalten stets den US-Dollar: EUR/USD, USD/JPY, GBP/USD, USD/CHF, AUD/USD, USD/CAD und NZD/USD. Sie zeichnen sich durch enge Spreads und hohe Liquidität aus. Minors (auch Cross-Paare) sind Paare ohne US-Dollar, z. B. EUR/GBP oder EUR/JPY. Exotics verbinden eine Major-Währung mit einer Schwellenlandwährung wie USD/TRY oder EUR/PLN – sie haben oft höhere Spreads und geringere Liquidität.

Die Preise werden mit vier oder fünf Dezimalstellen notiert. Bei den meisten Paaren entspricht die kleinste Preisänderung einem Pip (0,0001). Bei Paaren mit dem japanischen Yen als Kurswährung ist ein Pip 0,01.

Grundbegriffe im Forex-Handel

Bevor Sie mit dem Forex-Handel beginnen, sollten Sie die wichtigsten Begriffe verstehen.

Pip (Percentage in Point)

Ein Pip ist die kleinste übliche Preisänderung bei einem Währungspaar. Bei EUR/USD entspricht eine Bewegung von 1,0850 auf 1,0851 einem Pip. Bei einem Standard-Lot (100.000 Einheiten) entspricht ein Pip typischerweise einem Gewinn oder Verlust von 10 US-Dollar.

Lot (Standard, Mini, Micro)

Ein Lot definiert die Handelsgröße. Ein Standard-Lot entspricht 100.000 Einheiten der Basiswährung, ein Mini-Lot 10.000 und ein Micro-Lot 1.000. Mit Micro-Lots können Einsteiger mit geringem Kapitaleinsatz handeln.

Spread

Der Spread ist die Differenz zwischen Geldkurs (Bid) und Briefkurs (Ask). Der Broker verdient am Spread. Ein enger Spread (z. B. 1 Pip bei EUR/USD) bedeutet niedrigere Handelskosten. Bei volatilen Märkten oder exotischen Paaren kann der Spread deutlich höher sein.

Hebel (Leverage) und Margin

Mit Hebel können Sie Positionen handeln, die größer sind als Ihr eingesetztes Kapital. Bei einem Hebel von 1:30 reichen etwa 3.333 Euro Margin, um 100.000 Euro zu handeln. Die Margin ist die Sicherheitsleistung, die der Broker für offene Positionen verlangt. Hebel vergrößern sowohl Gewinne als auch Verluste.

Long und Short

Long gehen Sie, wenn Sie auf steigende Kurse setzen (Kauf der Basiswährung). Short gehen Sie, wenn Sie auf fallende Kurse setzen (Verkauf der Basiswährung). Beim Forex-Handel können Sie in beide Richtungen handeln.

Forex-Handelszeiten

Der Forex-Markt ist von Sonntagabend bis Freitagabend (MEZ) rund um die Uhr geöffnet. Die Handelswoche beginnt mit der Eröffnung in Sydney und wechselt dann durch die Zeitzonen: Tokio, London und New York.

Handelssitzungen

Die Sydney-Session startet um etwa 22:00 Uhr MEZ (Sonntag) und läuft bis ca. 7:00 Uhr MEZ. Die Tokio-Session folgt von etwa 0:00 bis 9:00 Uhr MEZ. Die London-Session (8:00 bis 17:00 Uhr MEZ) und die New-York-Session (13:00 bis 22:00 Uhr MEZ) sind die aktivsten Phasen.

Überlappungen und Volatilität

Die höchste Volatilität und das größte Handelsvolumen entstehen während der Überlappung von London und New York (ca. 13:00 bis 17:00 Uhr MEZ). In dieser Zeit sind die Spreads oft am engsten und die Kurse bewegen sich am stärksten. Wer in ruhigeren Phasen handelt, hat oft geringere Chancen, aber auch weniger Risiko durch plötzliche Kurssprünge.

Analyse-Methoden

Forex-Trader nutzen verschiedene Analyseansätze, um Handelsentscheidungen zu treffen. Die meisten erfahrenen Trader kombinieren mehrere Methoden, um ihre Chancen zu verbessern und Risiken zu begrenzen.

Technische Analyse

Die technische Analyse konzentriert sich auf Kursverläufe und historische Daten. Trader nutzen Charts, Trendlinien, Unterstützungs- und Widerstandslevel sowie Indikatoren. Beliebte Indikatoren sind der RSI (Relative Strength Index), der überkaufte oder überverkaufte Zustände anzeigt – Werte über 70 gelten als überkauft, unter 30 als überverkauft. Der MACD (Moving Average Convergence Divergence) dient der Trendbestätigung und zeigt Momentum-Wechsel. Gleitende Durchschnitte (z. B. 50-Tage oder 200-Tage MA) helfen bei der Bestimmung der Trendrichtung und fungieren als dynamische Unterstützung oder Widerstand. Chartmuster wie Doppelböden, Schulter-Kopf-Schulter oder Dreiecke werden zur Identifikation von Wendepunkten genutzt.

Fundamentale Analyse

Die fundamentale Analyse betrachtet wirtschaftliche Faktoren: Zinsentscheidungen der Zentralbanken, BIP-Wachstum, Arbeitsmarktdaten (z. B. NFP in den USA), Inflationsraten und politische Ereignisse. Starke Wirtschaftsdaten stützen in der Regel die Währung; schwache Daten können sie belasten. Zinsdifferenzen zwischen zwei Währungen beeinflussen langfristig die Wechselkurse – höhere Zinsen ziehen oft Kapital an und stärken die Währung. Wichtige Termine sind Zinsentscheidungen (ECB, Fed, BoE, BoJ), Veröffentlichungen von Arbeitsmarktzahlen und BIP-Daten. Politische Unsicherheiten wie Wahlen oder Handelskonflikte können zu starken Kursschwankungen führen.

Sentiment-Analyse

Die Sentiment-Analyse misst die Stimmung des Marktes – z. B. über Commitment-of-Traders-Berichte (COT) der US-Börsenaufsicht oder Trader-Umfragen. Wenn die Mehrheit der Trader auf eine Richtung setzt, kann es zu Gegenbewegungen kommen (Contrarian-Ansatz). Sentiment wird oft als Ergänzung zu technischer und fundamentaler Analyse genutzt. Extreme Stimmungslagen können Hinweise auf mögliche Wendepunkte geben.

Forex-Strategien für Einsteiger

Es gibt zahlreiche Forex-Strategien. Für Einsteiger eignen sich vor allem einfache, regelbasierte Ansätze, die sich gut in einem Trading-Plan dokumentieren lassen. Wählen Sie eine Strategie, die zu Ihrer Persönlichkeit und Ihrem Zeitbudget passt.

Trendfolge (Trend Following)

Bei der Trendfolge identifizieren Sie die aktuelle Marktrichtung und handeln in diese Richtung. Sie nutzen z. B. gleitende Durchschnitte: Steigt der Kurs über den 50-Tage-Durchschnitt, gehen Sie Long; fällt er darunter, gehen Sie Short. Der Vorteil: In starken Trends können Sie über längere Zeit mit dem Markt mitziehen und von großen Bewegungen profitieren. Der Nachteil: In Seitwärtsphasen entstehen viele Fehlsignale (Whipsaws), die zu Verlusten führen. Trendfolge erfordert Geduld – Sie warten auf klare Trends und vermeiden Handel in unklaren Phasen.

Range Trading

Beim Range Trading handeln Sie innerhalb einer Seitwärtsbewegung zwischen Unterstützung und Widerstand. Sie kaufen nahe der Unterstützung und verkaufen nahe dem Widerstand. Diese Strategie funktioniert gut in ruhigen Märkten ohne klaren Trend, z. B. während der Sommerferien oder vor wichtigen Feiertagen. Sobald der Kurs aus der Range ausbricht, wird die Strategie angepasst oder pausiert. Wichtig: Setzen Sie Stop-Losses außerhalb der Range, um Verluste bei Fehlausbrüchen zu begrenzen.

Breakout-Strategie

Bei der Breakout-Strategie warten Sie auf den Ausbruch aus einer Konsolidierungsphase oder einem Chartmuster (z. B. Dreieck, Rechteck). Sobald der Kurs ein definiertes Level durchbricht, eröffnen Sie eine Position in Ausbruchsrichtung. Wichtig: Ein Ausbruch sollte idealerweise mit höherem Volumen bestätigt werden, um Fehlausbrüche zu reduzieren. Viele Trader warten auf einen Retest des durchbrochenen Levels als Bestätigung, bevor sie einsteigen.

Risiken im Forex-Handel

Warnung: Hohes Verlustrisiko

Forex- und CFD-Handel sind mit erheblichem Risiko verbunden. Studien zeigen, dass 74–89 % der Privatanlegerkonten bei Forex/CFD-Brokern Verluste erleiden. Der Hebel kann Verluste stark vergrößern – Sie können mehr als Ihr eingesetztes Kapital verlieren. Handeln Sie nur mit Geld, dessen Verlust Sie sich leisten können.

Der Hebel ist das größte Risiko für unerfahrene Trader. Kleine Kursbewegungen können bei hohem Hebel zu großen Verlusten führen. Ein Hebel von 1:100 bedeutet: Eine Bewegung von 1 % gegen Ihre Position kann Ihr Kapital vollständig vernichten. Selbst bei regulierten EU-Brokern mit Hebelbegrenzung bleibt das Risiko erheblich.

Emotionales Handeln ist eine häufige Fehlerquelle. Verlustserien führen zu Rachehandeln – der Versuch, Verluste schnell zurückzugewinnen, endet oft mit noch größeren Verlusten. Gewinnserien können zu Übermut und zu großen Positionen verleiten. Overtrading – zu viele Trades in kurzer Zeit – erhöht die Kosten (Spreads, Kommissionen) und führt oft zu schlechten Entscheidungen. Ein klares Handelsplan und strikte Risikolimits helfen, diese Fallen zu vermeiden. Zusätzliche Risiken sind technische Ausfälle, Slippage bei volatilen Märkten und das Risiko von Betrug bei nicht regulierten Brokern.

Regulierung des Forex-Handels in der EU

In der Europäischen Union gelten seit 2018 verschärfte ESMA-Regeln (European Securities and Markets Authority) für den Handel mit Forex und CFDs. Diese Maßnahmen wurden eingeführt, um Privatanleger besser zu schützen.

Hebelbegrenzungen

Für Privatanleger gilt ein maximaler Hebel von 1:30 für Major-Währungspaare. Für exotische Paare und andere Instrumente sind die Limits noch niedriger (z. B. 1:20 für Minors oder 1:2 für Kryptowährungen). Damit soll verhindert werden, dass Anleger durch übermäßige Hebelwirkung zu schnell ihr Kapital verlieren. Professionelle Kunden können unter Umständen höhere Hebel anfordern, müssen dafür aber bestimmte Kriterien erfüllen.

Negative-Saldo-Schutz und Margin Close-Out

Regulierte EU-Broker müssen einen Negativsaldo-Schutz anbieten: Sie können nicht mehr verlieren als Ihr eingezahltes Kapital. Zudem gilt die Margin-Close-Out-Regel: Sobald die Margin unter einen bestimmten Schwellenwert (typischerweise 50 % der erforderlichen Margin) fällt, werden offene Positionen automatisch geschlossen, um einen Negativsaldo zu vermeiden. Diese Regelungen schützen vor Schulden bei extremen Marktbewegungen.

BaFin in Deutschland

In Deutschland überwacht die BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) die Finanzdienstleister. Broker müssen eine Zulassung haben und bestimmte Kapitalanforderungen erfüllen. Die BaFin führt zudem eine Liste von Warnungen zu nicht regulierten Anbietern. Bevor Sie bei einem Broker ein Konto eröffnen, prüfen Sie, ob er von der BaFin oder einer anderen EU-Aufsicht (z. B. CySEC, FCA) reguliert ist. Regulierte Broker müssen Kundengelder getrennt von Firmengeldern halten.

Tipps für Anfänger

Fazit

Zusammenfassung

Der Forex-Markt ist der größte Finanzmarkt der Welt und bietet Privatanlegern Zugang über regulierte Broker. Wichtig: Verstehen Sie die Grundbegriffe (Pip, Lot, Spread, Hebel), nutzen Sie technische und fundamentale Analyse, wählen Sie eine passende Strategie und handeln Sie diszipliniert mit begrenztem Risiko. Die ESMA-Regeln in der EU schützen Anleger durch Hebelbegrenzungen und Negativsaldo-Schutz. Nutzen Sie ein Demo-Konto, riskieren Sie maximal 1–2 % pro Trade und handeln Sie nur mit Kapital, dessen Verlust Sie akzeptieren können.